"Wiener Blut" ist zurück und es wird spannend
"Wiener Blut – Berggericht" setzt die Geschichte von Fida Emam fort, die sich mit der Entführung zweier junger Frauen konfrontiert sieht. Der neue Krimi greift aktuelle Themen auf und verspricht spannende Unterhaltung.
Wenn erfolgreiche Fernsehkrimis fortgesetzt werden, dann fällt die Entscheidung meist recht früh. Im Falle des von ZDF und ORF koproduzierten Krimis "Wiener Blut" ließen sich die Verantwortlichen hingegen etwas länger Zeit: Im Oktober 2019 feierte der Film im ORF Premiere, die deutsche Erstausstrahlung folgte im November 2020. 5,11 Millionen Menschen sahen damals den Thriller, der sich um einen ultrarechten Banker und einen radikal islamischen Verein drehte. Nun, fünf Jahre später, ist mit "Berggericht" (Regie: Katharina Heigl, Drehbuch: Martin Ambrosch) ein zweiter Film im ZDF zu sehen.
Die 18-jährige Laura Spindler (Laura Euler-Rolle) wird zwei Jahre nach ihrer Entführung lebend auf einer Landstraße im Weinviertel aufgefunden. Von ihrer zeitgleich verschwundenen Freundin Emilia Schreiner fehlt weiterhin jede Spur. Da die beiden Mädchen einst in Wien entführt wurden, wird Fida Emam (Melika Foroutan) als zuständige Staatsanwältin informiert.
Ein zweites Mädchen wird vermisst
Als sie am Ort, an dem Spindler gefangen gehalten wurde, ankommt, wird sie bereits erwartet: Marie Schubert-Retzenthaler (Selina Graf) kommt vom "Innenministerium, Sektion 1 C, Öffentlichkeitsarbeit", wie sich die Dame im zitronengelben Kostüm wichtigtuerisch vorstellt. Sie macht sich große Sorgen um das öffentliche Interesse an dem Fall: "Ein fesches Mädel, halbes Kind, entführt und missbraucht, und die Polizei, die tappt im Dunkeln. Super Story, aber nicht für uns", erklärt sie der ein wenig verdutzten Staatsanwältin: "Sie sorgen bitte für ein gescheites Ermittlungsverfahren und vor allem für eine zügige Anklage. Pressekonferenz asap."
Doch Fida Emam lässt sich nicht beirren, sie bleibt lieber bei den Fakten: Laura Spindler wurde in einem Weinkeller gefangen gehalten. Bei der Begutachtung ihres Verlieses trifft Fida Emam auf einen alten Bekannten: Der Polizist Markus Glösl (Harald Windisch) hatte ihr und ihrer Tochter im ersten Film auf nicht ganz legalem Weg das Leben gerettet. Durch die "Kronzeugenregel", so erklärt er nun, sei er allerdings freigekommen.
"Der Keller gehört einem Wiener Kunst- und Antiquitätenhändler, Paul Ritter", erklärt Glösl: "Sie haben ihn festgenommen, in Wien, Gefahr in Verzug." Paul Ritter (Fritz Karl) bestreitet jedoch, etwas mit der Entführung zu tun zu haben. Er habe den Keller seit Jahren nicht betreten. Doch weder Fida Emam noch Markus Glösl glauben ihm. Sie ermitteln unter Hochdruck, denn Emilia Schreiner wird noch immer vermisst ...
Erinnert an den Fall Natascha Kampusch
Ein Mädchen wird entführt und über Jahre in einem Keller gefangen gehalten: Man kommt nicht umhin, sofort an Schicksale wie das der 1998 entführten Österreicherin Natascha Kampusch zu denken. Die heute 37-jährige Kampusch wurde als Zehnjährige von dem arbeitslosen Nachrichtentechniker Wolfgang Přiklopil in Wien entführt und anschließend in dessen Haus gefangen gehalten, ehe ihr 2006 die Flucht gelang. Doch abgesehen von dieser einen Parallele entwickelt sich der Krimi "Wiener Blut – Berggericht" bald in eine andere Richtung.
Überhaupt gelingt es Drehbuchautor Martin Ambrosch aktuelle gesellschaftliche Themen in seine Geschichte einzuweben, ohne den eigentlichen Fall zu sehr damit zu überlasten: "Frau, kompetent, Migrationshintergrund – sehr moderne Kombi, wenn's aufgeht", freut sich Marie Schubert-Retzenthaler etwa, als Fida Emam den Fall übernimmt. Und wenn nicht? "Dann bleibt nur der Hintergrund, wie immer", gibt sie zu. Auch Trude Richter (Barbara Petritsch), die alkoholabhängige Mutter des Hauptverdächtigen, begegnet der Staatsanwältin mit ägyptischen Wurzeln alles andere als freundlich. Fida Emam reagiert gelassen: Mit Afifa Emam (abermals großartig verkörpert von Charlotte Schwab) hat sie doch selbst eine alkoholabhängige und schwer zugängliche Mutter zu Hause zu versorgen.
Melika Foroutan wird neue "Tatort"-Kommissarin
"Ich habe mich sehr gefreut, als Bettina Kuhn von der Satel Film mir ankündigte, dass es einen zweiten Fall mit Fida Emam geben wird", sagt Hauptdarstellerin Melika Foroutan im Interview zum Film: "Ich liebe diese strenge, fokussierte und unnachgiebige Staatsanwältin sehr, und das Drehbuch von Martin Ambrosch hat wieder alles, was ein guter Krimi braucht: einen spannenden Fall, politische Untertöne und den typischen Schmäh, den ich an den Österreichern so liebe."
Die 1976 in Teheran geborene Schauspielerin wird schon bald regelmäßig in einem TV-Krimi zu sehen sein: Als Frankfurter "Tatort"-Kommissarin Maryam Azadi ermittelt sie ab 2025 an der Seite von Hamza Kulin (Edin Hasanović) in ungeklärten Kriminalfällen für den Hessischen Rundfunk. Der erste Fall unter dem Arbeitstitel "Dunkelheit" ist bereits abgedreht.
Wiener Blut – Berggericht – Mo. 24.03. – ZDF: 20.15 Uhr
Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH