"Zimmer im Grünen – Herzenswege"

Therese Hämer über die ZDF-Serie: "Ich habe das Drehbuch in diesem Punkt mitgestaltet"

von Julian Lorenz
Frieda (Therese Hämer) liebt das ursprüngliche Leben und füttert ihre Schafe.
Frieda (Therese Hämer) liebt das ursprüngliche Leben und füttert ihre Schafe.  Fotoquelle: ZDF / Frank Dicks

Therese Hämer spielt in "Zimmer im Grünen – Herzenswege" die eigensinnige Frieda. Im Interview hat sie uns unter anderem verraten, warum die schroffe Frieda Schafsbilder anschaut, wenn sie Gäste empfängt.

Frau Hämer, eine Szene im Film hat mich besonders neugierig gemacht: Frieda schaut immer kritisch auf ihren Laptop, wenn ihr Gast Heinrich seinen Aufenthalt verlängern möchte – dabei sehen wir Zuschauer, dass dort nur Schafsbilder zu sehen sind. Warum macht sie das?

Therese Hämer: Das ist in erster Linie humoristisch gemeint. Frieda tut so, als hätte sie ein ausgeklügeltes System – dabei vermietet ja zum ersten Mal. Sonst ist sie eine sehr selbstbewusste Frau, aber in dieser neuen Rolle ist sie unsicher. Schließlich hat sie vorher in einer WG gelebt. Nun muss sie plötzlich mit wildfremden Menschen auf ihrem Hof zurechtkommen. Dieses kleine Ritual mit dem Laptop hilft ihr dabei, sich selbst in dieser neuen Rolle zu verorten.

Was hat sie denn dazu bewegt, diese Zimmervermietung überhaupt anzufangen?

Ganz pragmatisch gesagt: Sie muss Geld verdienen. Nach dem Tod ihres Mannes und der Auflösung der WG steht sie alleine da und muss sich überlegen, wie sie den Hof halten kann. Das ist keine einfache Entscheidung für sie, denn es bedeutet auch, dass sie Fremde in ihr Zuhause lässt.

Vielleicht sehnt sie sich insgeheim auch nach Gesellschaft.

Das kann gut sein. Manchmal merken wir ja erst im Nachhinein, dass wir uns nach etwas sehnen. Vielleicht wollte Frieda sich das erst nicht eingestehen. Aber sie hat ja lange in der WG gelebt, war es gewohnt, immer Menschen um sich zu haben. Das fällt jetzt weg. Und auch wenn sie am Anfang etwas sperrig wirkt – insgeheim tut ihr der Kontakt zu anderen Menschen gut.

Anfangs wirkt Frieda ziemlich schroff. Ist das einfach ihre Art?

So haben Sie das wahrgenommen? In der Vorgänger-Reihe „Unterm Apfelbaum“, da fand ich sie schroff – aber mittlerweile hat sie sich da entwickelt. Frieda ist eben keine Frau, die gleich mit offenen Armen auf Fremde zugeht. Sie ist sehr direkt. Ich würde sogar sagen, dass sie ein gesundes Misstrauen hat – und das ist in so einer Situation vielleicht auch nicht schlecht. Sie ist eben keine Hoteliers-Dame, die jeden mit einem künstlichen Lächeln begrüßt. Sie ist echt. Und wenn sie jemanden nicht mag, dann merkt man das sofort.

Aber mit Heinrich entwickelt sich ja doch eine besondere Beziehung.

Ja, und das ist schön zu sehen. Anfangs hält sie ihn für kompliziert, ein bisschen seltsam vielleicht. Aber dann merkt sie, dass er ein feiner Kerl ist. Was sie besonders berührt, ist, dass er ihren verstorbenen Mann gekannt hat und sich an ihn erinnert.

Diese Szene ist sehr emotional.

Das stimmt. Ich glaube, Heinrich lernt von Frieda, sich nicht so viele Gedanken darüber zu machen, was andere denken. Und für Frieda ist es etwas Besonderes, dass da jemand ist, der noch Erinnerungen an ihren Mann hat. Das verbindet sie – und deshalb habe ich mich auch für diese Szene eingesetzt.

Wie meinen Sie das?

Ich habe mir gewünscht, dass Friedas verstorbener Mann noch einmal eine Rolle spielt. Sonst wäre er einfach vergessen worden. Ich habe das Drehbuch in diesem Punkt mitgestaltet und Vorschläge gemacht, weil ich fand, dass Friedas Vergangenheit ein wichtiger Teil ihrer Geschichte ist.

Wenn Sie eine Botschaft aus dem Film benennen müssten, welche wäre das?

Dass es sich lohnt, eigenwillig zu sein und für sich einzustehen. Alle Figuren im Film müssen das auf ihre Weise lernen. Frieda kann das schon sehr gut, aber auch Lisa oder die Stiefmutter müssen diesen Weg gehen. Ich finde es schön, dass der Film zeigt, dass man sich nicht verbiegen muss, um seinen Platz im Leben zu finden.

Wie viel von Ihnen selbst steckt in Frieda?

Ach, das ist die klassische Frage! Natürlich bringe ich meine schauspielerischen Mittel in die Rolle ein, aber Frieda ist eine eigenständige Figur. Was ich an ihr bewundere, ist ihre Direktheit. Sie ist nicht immer bequem, aber sie ist ehrlich. Ich denke, das macht sie so interessant.

Wenn Sie einen Tag mit Frieda verbringen könnten, was würden Sie tun?

Ich würde mir den ganzen Hof zeigen lassen – jedes Zimmer, den Dachboden, all die alten Geschichten hören. Ich würde wissen wollen, wie ihre Kindheit war, welche Erinnerungen sie an ihre Großeltern hat. Und dann würde ich mit ihr einen Apfelschnaps trinken!

Klingt nach einem wunderbaren Tag! Zum Schluss noch eine Frage: Gibt es etwas, das Ihnen persönlich am Herzen liegt und das Sie teilen möchten?

Ja. Ich finde es in diesen Zeiten ganz wichtig, dass wir offen bleiben und uns Menschen zuwenden, die es schwer haben. Egal, wo sie herkommen. Angst sollte nicht unser Antrieb sein.

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