Krimi mit viel Charme

"Nord bei Nordwest": Darum bleibt der Neustart im NDR so interessant

26.02.2025, 12.35 Uhr
von TB
"Nord bei Nordwest" mit Hinnerk Schönemann, Marleen Lohse und Jana Klinge.
"Nord bei Nordwest" mit Hinnerk Schönemann, Marleen Lohse und Jana Klinge.   Fotoquelle: © NDR/Sandra Hoever/NDR Presse/Information

An Krimireihen herrscht im Fernsehen kein Mangel. Doch im großen Angebot finden sich einige besondere Perlen – wie „Nord bei Nordwest“. Dieser Auffassung ist offensichtlich auch der NDR und hat die Serie jüngst von vorne gestartet. Immer donnerstags ab 22 Uhr ist eine Episode des Küstenkrimis zu sehen. Alternativ lassen sich alle Folgen in der ARD Mediathek angucken. Doch was macht den Reiz der Serie aus? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns alle 27 bisher erschienenen Teile der Reihe noch einmal angeschaut.

„Nord bei Nordwest“ liefert Natur pur

Die Bilder des in der norddeutschen Natur eingebetteten Örtchens Schwanitz machen direkt Lust auf den nächsten Urlaub am Meer. Solche idyllischen Landschaftsaufnahmen leiten nämlich fast alle Folgen der Serie ein. Zudem durchziehen ähnliche Sequenzen, in denen vor allem die Schönheit der Ostseeküste zur Geltung kommt, immer wieder die Handlung. Diese spektakuläre Naturkulisse dürfte einen Großteil des Publikums ansprechen. Das Ganze ist ein norddeutsches Pendant zum karibischen Flair, das die britisch-französische Erfolgsserie „Death in Paradise“ bietet.

Ein starkes Hauptdarsteller-Trio, bei dem die Chemie stimmt

Doch „Nord bei Nordwest“ ist mehr als nur Kulisse. Entscheidend für die Beliebtheit der Serie dürfte vor allem das Trio an Hauptdarstellern sein. Da ist zunächst Hinnerk Schönemann, der überzeugend den Polizisten und Tierarzt Hauke Jacobs spielt. Die Rolle passt perfekt zu dem in Rostock geborenen Schauspieler, der genau wie seine Figur Tiere liebt, es ländlich mag und mit großen Partys eher wenig anfangen kann. Die Frauen in Hauke Jacobs Leben haben mit seinen unterschiedlichen Professionen zu tun. Zum einen ist da die Tierarzthelferin und spätere Tierärztin Jule Christiansen (Marleen Lohse). Der Gegenpart ist die für Schwanitz zuständige Polizistin, die in den ersten Folgen Henny Reents und später Jana Klinge verkörpert. Eine Spur Erotik zwischen Jacobs und jeweils mindestens einer der beiden Damen durchzieht so gut wie Folge. Das wirkt zum Glück (fast) nie platt, was vor allem daran liegt, dass die Chemie zwischen dem Trio vor der Kamera einfach stimmt.

Schwanitz ist voller interessanter Nebenfiguren

Fester Bestandteil der Krimiserie ist zudem eine Reihe von regelmäßig auftauchenden Nebencharakteren. Dazu gehört auf jeden Fall Mehmet Ösker (Cem-Ali Gültekin). Der hat fast in jeder neuen Folge eine neue Jobidee. Stammzuschauer wissen aber, dass in dem sympathischen, jedoch etwas tollpatschigen Kleinunternehmer mehr steckt, als viele vermuten. Das verhindert auch, dass die Rolle zum Klischee wird. Nicht zu vergessen sind auch Michael Töteberg und Ellen „Blecky“ Bleckmann. Obwohl ihre Profession der Tod ist, sorgt das schlitzohrige Bestatterduo immer wieder für ordentlich Leben im Örtchen Schwanitz. Selbst Figuren, die nur einen einmaligen Auftritt haben – wie etwa die Friseurin Grit Hartmann (Julika Jenkins) – bereichern und erweitern den Schwanitzer Mikrokosmos regelmäßig.

Die besondere Mischung aus Mord und Witz

Ohne ein paar Morde ist eine Folge von „Nord bei Nordwest“ eigentlich nicht komplett. Als Kontrast zu dieser Fülle von erschossenen, erdrosselten und sogar erdrückten Figuren gibt es aber stets eine großzügige Portion Humor. Diese nimmt den Ereignissen die Schärfe. Das erinnert stellenweise etwas an den beliebten Münsteraner „Tatort“, kommt jedoch oft nicht ganz so klamaukig dar. Das Repertoire reicht von Slapstick über Wortwitz bis hin zu Meta-Gags. Ein Beispiel dafür ist eine Unterhaltung zwischen Hauke Jacobs und der von Henny Reents gespielten Polizistin in der ersten Folge über einen Mann: „Wie heißt der?“ „Hinnerk.“ „Was ist denn das für’n Name?“ Dieses Gespräch ist deshalb so witzig, weil ausgerechnet hinter der Rolle des Fragestellers Hauke Jacobs jemand steckt, der den seltenen norddeutschen Vornamen Hinnerk trägt.

Mut zum Wandel

Angesichts der großen Beliebtheit von „Nord bei Nordwest“ könnten die Macher natürlich auch in Zukunft nach Schema F vorgehen. Doch die einzelnen Episoden zeigen immer wieder Mut zum Wandel. So erweist sich etwa Folge 24, „Die letzte Fähre“, als übernatürlich angehauchter, jedoch mit so manchem Augenzwinkern erzählter Mystery-Fall. Beim bislang letzten Fall „Das Nolden-Haus“ greifen die Macher hingegen genüsslich in die Horrorfilmkiste. Da weicht dann sogar die typische idyllische Anfangssequenz atmosphärisch-düsteren Auftaktbildern.

Ein spannendes Serienkonzept mit zahlreichen Facetten

Der Serienerfolg ist natürlich auch Holger Karsten Schmidt zu verdanken. Denn der hatte nicht nur die Idee, ein Krimikonzept mit Elementen einer Tierarztserie, norddeutschem Lokalkolorit, Humor und Beziehungstücken zu verbinden. Der Autor ist auch für die meisten Drehbücher von „Nord bei Nordwest“ verantwortlich. Dabei gelingt es ihm, die einzelnen Folgen immer wieder geschickt mit episodenübergreifenden Plots und Nebenhandlungssträngen anzureichern, ohne dass der aktuelle Fall dabei zu kurz kommt oder überladen wirkt. Wer also wissen möchte, warum Hauke Jacobs überhaupt nach Schwanitz kam und was der beschauliche Ort mit Geheimdiensttätigkeiten zu tun hat, sollte unbedingt einschalten.

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