Hera Lind wird 65: Was macht die "Superweib"-Autorin eigentlich heute
In den Neunzigern wurden ihre Romane mit großem Erfolg verfilmt, später verlor sie ihr gesamtes Vermögen. Nun wird Hera Lind 65 Jahre alt. Wie ist es ihr zuletzt ergangen?
Ihren größten literarischen Erfolg feierte Hera Lind 1994 mit "Das Superweib", in dem eine Frau einen erfolgreichen Roman über ihre unglückliche Ehe schreibt. Mit ihrem damaligen Image, den heiter-vergnüglichen Liebesromanen, mit denen sie damals die Bestsellerlisten stürmte, kann sie heute nichts mehr anfangen: "Das Buch ist 25 Jahre alt, und ich kann mich weder auf diesen Lorbeeren ausruhen noch entspricht ein solches Genre meinem heutigen Verständnis von zeitgemäßer Frauenliteratur", sagte sie 2019 in einem Interview mit "Weltbild". Lind, die in den 90er-Jahren nicht nur als Bestsellerautorin, sondern auch als TV-Moderatorin und Sängerin auftrat, und am 2. November ihren 65. Geburtstag feiert, schreibt seit einigen Jahren lieber sogenannte "Tatsachenromane".
Dabei war die Karriere als Schriftstellerin ohnehin höchstens ihre dritte Berufswahl für die in Bielefeld geborene Herlind Wartenberg: Sie wollte eigentlich Lehrerin werden, studierte Theologie und Germanistik und schloss sogar das erste Staatsexamen mit Note eins ab. Zeitgleich begann sie zudem ein Studium an der Musikhochschule Köln, machte sich als Solosängerin einen Namen und arbeitete als festes Mitglied im WDR-Rundfunkchor. 1987 konnte sie, hochschwanger mit ihrem ersten Kind, nicht auf eine Konzerttournee nach Japan gehen, wie sie "RP Online" erzählte: "Da habe ich aus lauter Langeweile angefangen zu schreiben. Gleich der erste Roman 'Ein Mann für jede Tonart' der im Sänger-Milieu spielt, wurde ein Millionen-Bestseller. Glück gehabt!"
Sie hatte eine eigene Talkshow
Ihr literarisches Debüt wurde 1993 mit Katja Riemann in der Hauptrolle verfilmt, auch ihre folgenden Romane ("Frau zu sein bedarf es wenig", "Das Superweib", "Die Zauberfrau") fanden ihren Weg auf die Kinoleinwand oder den TV-Bildschirm. Dorthin zog es die Autorin dank ihrer großen Popularität dann auch selbst: Sie war zwei Jahre lang Gastgeberin ihrer eigenen Talkshow "Hera Lind und Leute" im ZDF und wechselte dann zur ARD, wo sie eine Staffel lang die Moderation der Kuppelshow "Herzblatt" übernahm.
Weitere Fernsehengagements blieben danach aus, Schlagzeilen machte sie stattdessen mit ihrem Privatleben: Im Jahr 2000 trennte sie sich von ihrem Lebensgefährten, mit dem sie vier Kinder hat, nachdem sie zuvor ihren heutigen Ehemann, den Hotelmanager Engelbert Lainer, auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt hatte. Er war es auch, der ihr in der größten Krise ihres Lebens beistand, wie sie der "Bunte" erzählte: Lind hatte ihr komplettes Vermögen Anfang der 2000-er durch den verlustreichen Kauf von Immobilien in Ostdeutschland verloren. "Mein Selbstwertgefühl ist auf die Größe einer Erbse geschrumpft", sagte sie damals. "Zum Glück steht Engelbert zu mir. Er sagt mir ständig: 'Wir schaffen das'". 15 Jahre lang habe sie "Millionenschulden" abbezahlt: "Erst an meinem 60. Geburtstag hatte ich unterm Strich wieder eine Null stehen."
Diese Erfahrung machte sie, so Lind, "empfindsam für andere Lebensgeschichten". Seit über zehn Jahren verarbeitet sie in ihren "Tatsachenromanen" wahre Begebenheiten, Stoffe, die ihr ihre Leserinnen und Leser zuschicken. Aktuell arbeitet sie etwa an einer Geschichte, die am Ende des Zweiten Weltkriegs spielt, wie sie bei Instagram verriet: "Meine Protagonistin bekam in russischer Kriegsgefangenschaft 8 Kinder und schaffte am Ende die Flucht in den Westen mit sechs noch lebenden", schrieb sie in einem Post.
Tischtennis als Ausgleich
Als Ausgleich zur Beschäftigung mit solchen Schicksalen hat Lind ein besonderes Ritual entwickelt, wie sie im April 2022 im Gespräch mit der BR-"Abendschau" erzählte: Ihr Mann läute eine Schiffsglocke, dann wisse sie, dass sie "rauskommen müsse aus der oft schweren Handlung" und dann spiele sie mit ihm Tischtennis, an einem großen Tisch, an dem sie sonst Schreibseminare abhält. Tägliche Bewegung empfindet Lind inzwischen ohnehin als "Belohnung": Früher sei sie ein "dickes, unsportliches Kind" gewesen, das Sport als Strafe empfunden hätte, verriet sie dem "Spiegel" anlässlich der Veröffentlichung ihres Fitnessratgebers "Und täglich grüßt der Schweinehund" 2012.
Und auch wenn Lind mit 65 noch lange nicht ans Aufhören denkt, hat sie doch bereits Vorkehrungen für ihr Ableben getroffen. Sie habe ihr Testament bereits gemacht und sogar schon für sich ihren Ehemann in ihrem Wohnort Salzburg einen Grabplatz gekauft, wie sie "Bunte" sagte: "Ich habe Engelbert ein Grab geschenkt. Er fand das verrückt. Aber ich sagte ihm, dass ich auch im Tod an seiner Seite sein möchte."
Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH