"Neben der Spur – Dein Wille geschehe": Psychodrama verläuft sich im Wirrwarr
Der vierte Film der "Neben der Spur"-Reihe, den das ZDF nun wiederholt, bietet einen wirren Themen-Mischmasch. Spannung kommt so leider nur selten auf.
Juergen Maurer kann einem fast leidtun. Denn eigentlich ist der Österreicher ein hochbegabter Schauspieler. Im deutschen Fernsehen aber bekommt er nur selten eine Chance, das auch zu beweisen. In der ZDF-Reihe "Neben der Spur" etwa kommt ihm seit 2015 die undankbare Aufgabe zu, sich als Sidekick von Ulrich Noethen durch ein äußerst dröges Stück deutscher Kriminalunterhaltung kämpfen zu müssen. Die meiste Zeit, es lässt sich nicht anders sagen, steht Maurer dabei als ziemlicher Vollidiot da, der nichts anderes zu tun hat, als einfache Fragen zu stellen und Ermittlungsfehler zu begehen. Das ist auch im vierten Film der Reihe, der auf den prätentiösen Titel "Dein Wille geschehe" (2016) hört und nun im ZDF erneut ausgestrahlt wird, nicht anders.
Auch diesmal weiß der Hamburger Psychologe Dr. Johannes "Joe" Jessen (Noethen) schnell, dass es kein Selbstmord war, als Carina Winter, Mutter einer Tochter, vor seinen Augen von einer Brücke gesprungen ist. Der von Maurer gespielte Kommissar Vincent Ruiz glaubt hingegen so lange an einen Suizid ("Tod durch Schwerkraft"), bis es ein zweites Opfer gibt, das sich ebenfalls nur vermeintlich selbst das Leben genommen hat. Tatsächlich haben beide Frauen unmittelbar vor ihrem Tod lange mit demselben Mann telefoniert. Und Carina, kombiniert Jessen in bester Sherlock-Holmes-Manier, hatte Höhenangst. Was den Sprung von einer Brücke selbstredend ausschließt.
Tatsächlich wird der Film dann für einen Moment richtig spannend – ungewohnt für diese ansonsten ziemlich mittelmäßige Krimireihe. Denn offenbar hat ein Unbekannter die Frauen per Handy gezwungen, sich selbst das Leben zu nehmen. Fieberhaft suchen Jessen und Ruiz nach dem Sadisten, der bereits ein weiteres Opfer anvisiert hat. Ein veritables Psychodrama bahnt sich an. Nur dann geschieht, was irgendwie zum Markenkern der "Neben der Spur"-Reihe gehört: Das Drehbuch (erneut: Mathias Klaschka) scheint den Glauben an die eigene Idee verloren zu haben. Also legt der Film noch eine Schippe drauf, wie ein Heizer, der seiner erlahmenden Lokomotive Feuer machen will. Nur dass der Kessel diesmal überhitzt.
Da geht es dann plötzlich um den deutschen Afghanistan-Einsatz und um traumatisierte Ex-Soldaten. Ein Ausflug in die Psychiatrie wird unternommen, Kinder werden entführt, und als würde das nicht schon reichen, muss auch noch an Jessens Ehe gerüttelt werden. Seine Frau Nora (Petra van de Voort), so glaubt der Psychologe nämlich, betrügt ihn mit ihrem Chef. Jessen selbst muss sich derweil einer aufdringlichen Studentin (Luise Wolfram) erwehren.
Hin und wieder erinnert sich der Film (Regie: Anno Saul) dann auch noch, dass sein Hauptcharakter, der auf Romanen des Australiers Michael Robotham basiert, ja an Parkinson leidet. Was eine interessante psychologische Komponente in einem ansonsten ziemlich platten Film hätte sein können, verpufft allerdings im gelegentlichen Fingerzittern des Psychiaters.
Im März 2018 wurde der fünfte Teil der "Neben der Spur"-Reihe mit dem Titel "Sag, es tut dir leid" ausgestrahlt. Ende 2018 wurde dann auch der sechste Teil mit dem Titel "Erlöse mich" abgedreht, in dem Dr. Jessen mit einigen Problemen konfrontiert wird. Die Regie übernahm Josef Rusnak. Wann der Film ausgestrahlt wird, ist noch nicht bekannt.
Quelle: teleschau – der Mediendienst